Harmonie

Gedichte

Wir stritten uns,
du hattest ein Messer in der Hand.
Unter deinem Daumen, zerdrückt
lag die Zwiebel.

Wir stritten uns,
und ich musste weinen.
In der roten Luft hing
Chillistaub.

Wir stritten uns,
wir schnitten energisch,
unsere Finger glitten
eifrig  in Teig.
Im dritten Gang, bei
mittlerer Hitze,
Küchenkampfkleinkriegerei.
Dann, Aufschrei!
Herdplattenmanöver;
Aufatmen, der Hummer ist in Sicherheit.

Wir stritten uns
und gestikulierten.
Die Fritten trieften
im Backfett,
im Salze blinzelt
der Lachs nett.
Das Ganze
amüsierte ihn sehr.

Wir stritten uns.
Und während wir
Gemüse schnippelten,
schnippig Ärger schürten,
Gemüter erhitzten
und schwitzend
Geléeschaum verrührten.
schmorte der Braten in Rosmarin,
den legte ich schmollend über ihn.
Du rolltest mit deinen Augen
und mit Wallholz über Teig.
Wir kochten,
innerlich.

Die Dame
an Tisch Nummer vier
fühlt sich einsam.
Aufmerksamkeitssuchend
hebt sie die Hand,
dies wird als Bestellung
vom Kellner erkannt.
Ein Blick in die Küche:
Schlachtfeld im Backfett
und wir, rotgestritten
streichen uns die Strähnen
aus den Augen und
würzen noch
die letzte Kleinigkeit.
Dann wird der Teller
hochgehoben, fortgebracht. Und uns
bleibt nur versöhnlich
aufzuräumen,
abzuwaschen.
Uns zu umarmen.

Derweil wird der Dame
an Tisch Nummer vier
elegant das Essen serviert.
voilà, madmoiselle!
>>Herzblatt an Knoblauchsauce<<
 
Und sie denkt:
Ach, wie harmonisch.
Es dampft leicht.
Das Herz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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© 2013 - 2019 Sarah Altenaichinger